Gerade wenn Symptome wie Depressionen, Angststörungen oder Burnout die Arbeitsfähigkeit einschränken, ist eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) entscheidend – etwa, um den Arbeitgeber zu informieren oder Lohnfortzahlungen zu sichern.
Doch hier herrscht oft Verunsicherung: Psychotherapeuten begleiten Patienten zwar intensiv bei psychischen Erkrankungen, sind jedoch nicht automatisch dazu berechtigt, eine Krankschreibung auszustellen. Ob dies möglich ist, hängt von der Qualifikation und der rechtlichen Grundlage ab. Während ärztliche Psychotherapeuten (also Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie) Krankschreibungen ausstellen dürfen, gilt dies für psychologische Psychotherapeuten in Deutschland nicht.
In diesem Artikel klären wir Schritt für Schritt, wer tatsächlich krankschreiben darf, welche Rolle Psychotherapeuten übernehmen und wie Patienten bei psychischen Erkrankungen eine Krankschreibung erhalten. Dabei gehen wir sowohl auf die rechtlichen Hintergründe als auch auf praktische Abläufe im Alltag ein.
Rechtliche Grundlagen: Wer darf in Deutschland krankschreiben?
Eine Krankschreibung – offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) genannt – ist ein wichtiger Nachweis gegenüber Arbeitgeber und Krankenkasse. Sie bestätigt, dass eine Person aufgrund einer Erkrankung vorübergehend nicht arbeitsfähig ist.
Die rechtliche Grundlage findet sich im Entgeltfortzahlungsgesetz (§ 5 EFZG) und im Sozialgesetzbuch V (SGB V). Dort ist geregelt, dass nur bestimmte Berufsgruppen befugt sind, eine Krankschreibung auszustellen.
Wer darf krankschreiben?
Die folgende Tabelle zeigt eine Übersicht der Berufsgruppen und ihre Befugnis:
| Berufsgruppe | Dürfen krankschreiben? | Bemerkungen |
| Hausärzte (Allgemeinmediziner) | ✅ Ja | Häufig erste Anlaufstelle, auch für psychische Erkrankungen |
| Fachärzte (z. B. Internisten, Orthopäden, Neurologen, Psychiater) | ✅ Ja | Krankschreibung im jeweiligen Fachbereich möglich |
| Ärztliche Psychotherapeuten (Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie) | ✅ Ja | Kombination aus medizinischer Behandlung und Psychotherapie |
| Zahnärzte | ✅ Ja | Nur bei Erkrankungen im zahnmedizinischen Bereich |
| Psychologische Psychotherapeuten | ❌ Nein | Keine Befugnis zur Ausstellung einer AU |
| Heilpraktiker (auch Psychotherapie-Heilpraktiker) | ❌ Nein | Dürfen keine AU ausstellen, nur unterstützende Tätigkeit |
| Krankenhäuser (Ärzte im Klinikbetrieb) | ✅ Ja | AU wird bei stationärem oder ambulantem Aufenthalt ausgestellt |
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist immer eine ärztliche Aufgabe. Psychologische Psychotherapeuten können zwar Diagnosen stellen und eine Therapie durchführen, sie dürfen aber keine Krankschreibungen ausstellen. In diesen Fällen müssen Patienten zusätzlich einen Arzt – meist Hausarzt oder Psychiater – aufsuchen.
Rolle von Psychotherapeuten im Gesundheitssystem
Um zu verstehen, warum die Frage „Dürfen Psychotherapeuten krankschreiben?“ so häufig gestellt wird, lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Berufsgruppen, die unter dem Begriff Psychotherapeut zusammengefasst werden.
Psychologische Psychotherapeuten
- Haben ein Studium der Psychologie abgeschlossen und anschließend eine mehrjährige Weiterbildung in Psychotherapie absolviert.
- Sie dürfen psychische Erkrankungen diagnostizieren und behandeln, jedoch keine Medikamente verschreiben und keine Krankschreibungen ausstellen.
- Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der gesprächs- und verhaltenstherapeutischen Behandlung von Störungen wie Depression, Angst oder Zwangserkrankungen.
Ärztliche Psychotherapeuten
- Sind Fachärzte (z. B. für Psychiatrie oder Psychosomatische Medizin), die zusätzlich eine psychotherapeutische Ausbildung absolviert haben.
- Sie dürfen sowohl Medikamente verschreiben als auch Krankschreibungen ausstellen.
- Damit vereinen sie die medizinische und die psychotherapeutische Kompetenz in einer Person.
Bedeutung für Patienten
Für Patienten bedeutet das:
- Psychologische Psychotherapeuten begleiten sie langfristig im therapeutischen Prozess, dürfen jedoch keine AU-Bescheinigung ausstellen.
- Ärztliche Psychotherapeuten können beides – Therapie und Krankschreibung.
- In der Praxis arbeiten viele Psychologische Psychotherapeuten eng mit Hausärzten oder Fachärzten für Psychiatrie zusammen, wenn eine Krankschreibung wegen psychischer Erkrankungen notwendig ist.
Diese klare Rollenverteilung erklärt, warum es trotz intensiver Betreuung durch einen Psychotherapeuten oft notwendig ist, zusätzlich einen Arzt aufzusuchen.
Dürfen Psychologische Psychotherapeuten krankschreiben?
Die kurze Antwort lautet: Nein, Psychologische Psychotherapeuten dürfen nicht krankschreiben.
Aktuelle Rechtslage
- Nur Ärzte sind in Deutschland dazu befugt, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) auszustellen.
- Psychologische Psychotherapeuten verfügen zwar über eine staatliche Approbation und dürfen eigenständig psychische Erkrankungen diagnostizieren und behandeln, doch eine Krankschreibung gehört nicht zu ihren Befugnissen.
- Dieses Recht ist rechtlich klar geregelt im Sozialgesetzbuch V (SGB V).
Unterschiede zu Ärztlichen Psychotherapeuten
- Ärztliche Psychotherapeuten (z. B. Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie) dürfen sehr wohl krankschreiben, da sie als Ärzte über die medizinische Zulassung verfügen.
- Sie können neben der Krankschreibung auch Medikamente verschreiben, was Psychologischen Psychotherapeuten nicht erlaubt ist.
Praxisbeispiele
In der Versorgungspraxis bedeutet das:
- Wenn ein Patient bei einem Psychologischen Psychotherapeuten in Behandlung ist und eine Krankschreibung benötigt, wird dieser den Patienten in der Regel an den Hausarzt oder einen Psychiater verweisen.
- Der behandelnde Arzt stellt dann die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, häufig auf Grundlage der Einschätzung des Psychotherapeuten.
Damit ist klar: Psychologische Psychotherapeuten dürfen keine Krankschreibung ausstellen. Sie übernehmen die therapeutische Begleitung, während die formale Ausstellung der AU durch Ärzte erfolgt.
Häufige Missverständnisse und Klarstellungen
Rund um die Frage „Dürfen Psychotherapeuten krankschreiben?“ gibt es viele Missverständnisse. Diese entstehen häufig dadurch, dass Patienten nicht zwischen den verschiedenen Berufsgruppen unterscheiden oder annehmen, dass jede Form der Diagnose automatisch auch eine Krankschreibung ermöglicht.
Typische Irrtümer
- „Mein Psychotherapeut kann mich krankmelden.“
– Falsch. Nur Ärzte dürfen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) ausstellen. Psychologische Psychotherapeuten haben keine Krankschreibungsbefugnis. - „Eine Diagnose vom Psychotherapeuten reicht für den Arbeitgeber.“
– Nein. Auch wenn Psychotherapeuten eine psychische Erkrankung diagnostizieren, ersetzt dies keine AU. Für Arbeitgeber und Krankenkassen ist nur die ärztliche Krankschreibung rechtsgültig. - „Ein Attest vom Psychotherapeuten ist gleichbedeutend mit einer Krankschreibung.“
– Nicht korrekt. Atteste vom Psychotherapeuten können Informationen über die Behandlung oder Therapie enthalten, sind jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. - „Bei psychischen Erkrankungen muss man immer zu einem Psychiater.“
– Nicht zwingend. Auch Hausärzte dürfen bei psychischen Beschwerden krankschreiben, oft in enger Abstimmung mit dem behandelnden Psychotherapeuten.
Klarstellung für Patienten
- Psychologische Psychotherapeuten: Therapie und Diagnose ja, Krankschreibung nein.
- Ärztliche Psychotherapeuten und Psychiater: Therapie, Medikamente und Krankschreibung ja.
- Hausärzte: Erste Anlaufstelle, auch für psychisch bedingte Krankschreibungen zuständig.
Wichtig zu wissen: Auch wenn der eigene Psychotherapeut nicht krankschreiben darf, arbeitet er oft eng mit Ärzten zusammen und unterstützt die Patienten bei allen notwendigen Schritten.
Fazit
Die Frage „Dürfen Psychotherapeuten krankschreiben?“ lässt sich eindeutig beantworten:
Psychologische Psychotherapeuten dürfen in Deutschland keine Krankschreibungen ausstellen.
Nur Ärzte – also Hausärzte, Fachärzte oder ärztliche Psychotherapeuten (Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie) – sind rechtlich befugt, eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) auszustellen. Psychologische Psychotherapeuten übernehmen dagegen die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen, arbeiten aber eng mit Ärzten zusammen, wenn eine Krankschreibung notwendig wird.
Für Patienten bedeutet das:
- Der Psychotherapeut ist die richtige Adresse für die therapeutische Begleitung.
- Für die formale Krankschreibung muss zusätzlich ein Arzt aufgesucht werden.
- Durch die Zusammenarbeit von Arzt und Therapeut entsteht ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, der sowohl die medizinische Absicherung als auch die psychologische Betreuung sicherstellt.
Auch wenn es politische Diskussionen über eine mögliche Erweiterung der Befugnisse gibt, bleibt die aktuelle Rechtslage klar: Krankschreibungen sind in Deutschland ausschließlich Ärzten vorbehalten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Können Psychotherapeuten Atteste ausstellen?
Ja, Psychologische Psychotherapeuten können Atteste schreiben, z. B. zur Bestätigung einer laufenden Behandlung oder Diagnose. Diese ersetzen jedoch keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU).
Wer schreibt bei Depressionen krank?
In der Regel übernimmt der Hausarzt oder ein Facharzt für Psychiatrie/Psychotherapie die Krankschreibung bei Depressionen. Der Psychotherapeut kann die Diagnose stellen und eine Therapie einleiten, darf aber selbst keine AU ausstellen.
Können Psychotherapeuten Krankschreibungen für die Arbeit ausstellen?
Nein. Psychologische Psychotherapeuten dürfen keine Krankschreibung für den Arbeitgeber ausstellen. Dafür ist immer ein Arzt zuständig.
Ist eine Krankschreibung wegen psychischer Erkrankungen genauso gültig wie bei körperlichen Erkrankungen?
Ja. Eine ärztliche AU-Bescheinigung ist unabhängig von der Art der Erkrankung rechtsgültig – egal ob körperlich oder psychisch bedingt. Arbeitgeber und Krankenkassen sind gleichermaßen verpflichtet, diese anzuerkennen.
Kann mein Hausarzt eine Krankschreibung wegen Burnout oder Angststörungen ausstellen?
Ja. Hausärzte dürfen Patienten auch bei psychischen Erkrankungen krankschreiben. Häufig geschieht dies in enger Abstimmung mit dem behandelnden Psychotherapeuten.
Wie lange können Ärzte bei psychischen Problemen krankschreiben?
Die Dauer hängt vom individuellen Fall ab. Ärzte können zunächst für wenige Tage oder Wochen krankschreiben. Bei schweren psychischen Erkrankungen sind auch längere Krankschreibungen möglich – oft in Kombination mit einer laufenden Psychotherapie.